Dienstag, 16. August 2016

10-1 Dinge, die zum Fernsehen gehören (an die aber niemand denkt)

Nachdem mich immer noch Leute fragen, was ich in meinem Praktikum beim Fernsehen so mache, muss ich eines erneut klarstellen: Liebe Menschen da draußen, es ist kein Praktikum. Ich habe einen Job. Vielen Dank. Aber genug davon. Da mein Blog und die Fotografie in den letzten Monaten ein wenig zurückstecken mussten, möchte ich euch heute erzählen, wie es hinter den Kulissen beim Fernsehen so zugehen kann. Ich habe für euch 9 Dinge, an die ihr beim Thema "Fernsehen machen" sicher noch nicht gedacht habt.

1. Du verbringst die meiste Zeit auf Deutschlands Autobahnen 
oder in den Zügen der Deutschen Bahn
Nach sieben Tagen Dreh kam ich gestern total erschöpft nach Hause. Hinter mir lagen drei Tage beim perfekten Dinner und vier Tage mit verrückten Bräuten, gekrönt von neuneinhalb Stunden auf der Autobahn. Strecke Berlin - Köln. Bereits letzten Freitag war ich 12 Stunden unterwegs. Von Heilbronn nach Köln im Auto und direkt anschließend im Zug von Köln nach Berlin. Was man nämlich schnell vergisst: man muss ja irgendwie zu den Drehs kommen! Und das erfolgt eben im Auto oder im Zug. Wie viel tote Zeit ich in den letzten Monaten abgesessen habe, werde ich mir aber lieber nicht ausrechnen. Aus Gründen.

2. Dein Koffer wird dein bester Freund,
denn er beherbergt alles, was du unterwegs brauchst. Klamotten, Getränke, Pflegeprodukte, Laptop und Medikamente - alles ist am Start. Koffer ein- und ausräumen macht mir allerdings auch nach dreieinhalb Monaten noch keinen Spaß. Mittlerweile habe ich aber ein gutes Gespür dafür, was ich auf jeden Fall brauche und was nur überflüssiger Krimskrams ist.


3. Du zahlst Miete für ein Zimmer, das du eh kaum bewohnst
Es ist ein wundervolles Gefühl nach Hause zu kommen. Koffer in die Ecke werfen, in die Jogginghose (wenn nicht eh schon an) schlüpfen, wohlfühlen. Allerdings sind das recht seltene Momente. Je nach Projekt kann man schon mal sechs Monate weg sein und dann bleibt die Wohnung unbewohnt. So krass ist das bei mir natürlich nicht, aber ich bin doch recht selten hier. Die monatliche Mietabrechnung tut daher schon mehr weh als bisher gewohnt.

4. Und auch der Kühlschrank füllt sich nicht von alleine
Gestern Abend zuhause angekommen stand ich dann in der WG mit der Frage im Kopf: und was soll ich jetzt eigentlich essen? Da ich mehr als 10 Tage fort war, hatte ich natürlich den Kühlschrank vor meiner Abreise leer gemacht und einkaufen wollte und konnte ich aufgrund meiner Müdigkeit gestern nicht mehr. Gott sei Dank hatte mein Vergangenheits-Ich mitgedacht. Ich hatte noch Suppe und TK-Brötchen gebunkert und so fiel ich nach diesem kleinen Snack wie ein Stein ins Bett. Essen Einkaufen ist nach langer Abwesenheit immer ein Fest!


5. Das Wochenende findet zwischen Montag und Donnerstag statt,
denn geheiratet wird meist samstags und da bin ich dann dabei. Euer Wochenende besteht für mich daher aus ganz normalen Arbeitstagen. Frei habe ich dann, wenn ihr arbeitet oder in der Schule sitzt. Was erst mal anstrengend klingt, ist an sich echt okay. Alle meine Erledigungen kann ich dann tätigen, wenn auch alle Geschäfte offen haben: unter der Woche. Ein Nachteil allerdings: mich zu besuchen ist eh schon schwierig, es macht es aber natürlich auch nicht leichter, wenn ich am Wochenende arbeiten muss.

6. Du lernst Menschen kennen, mit denen hättest du so gar nichts zu tun
Das bezieht sich einerseits auf die Kollegen am Set, andererseits aber natürlich auch auf die Protagonisten. Unser Team besteht nicht immer aus den selben Leuten. Auch nach dreieinhalb Monaten lerne ich auf jedem Dreh immer wieder neue Kameramänner, Tonmänner, Realisatoren oder Aufnahmeleiter kennen. Das kann cool sein, weil es immer frischen Wind hineinbringt, ist manchmal aber auch schwierig, da man sich immer wieder neu auf Menschen einlassen muss. Ich persönlich finde das aber besonders spannend. Ich lerne gerne neue Menschen und deren Lebensphilosophie kennen. Anders ist das manchmal bei den Protagonisten. Es ist ein Unterschied, ob man im Team an einem Strang zieht oder ob man mit den Personen vor der Kamera zusammenarbeitet. Manchmal kann man da nur den Kopf schütteln.



7. Du bist Seelsorger und Kummerkasten
Am Set wird man schnell zum Kummerkasten und Mediator für und zwischen den Protagonisten. Du hörst dir private Problemchen an, zum dritten Mal die Geschichte über die Schwiegermutter oder erlebst, wie die Protagonisten rassistisch werden. Durch die zahlreichen verschiedenen Menschen erlebt und hört man auch die unterschiedlichsten Dinge. Es gibt Menschen, die gibt's gar nicht. Wichtig dabei: professionell bleiben. Ich habe gelernt, zuzuhören ohne zuzuhören. Ich bin ruhiger und geduldiger geworden, einfach, weil ich es muss. Ihr denkt manchmal, dass die Zickereien im Fernsehen gefaked seien? Keine Sorge, die Protagonisten unter sich sorgen schon genug alleine für Stress, ich für meinen Teil halte mich da raus.

8. Beim Fernsehen gehen die Uhren anders
Fernsehen machen bedeutet auch: viel Warten. Eine Stunde "4 Hochzeiten und eine Traumreise" im Fernsehen sind drei volle Tage Drehen. Dabei entstehen viele Wartezeiten. Wenn jemand sagt: "in fünf Minuten sind wir durch", ist man auf keinen Fall in fünf Minuten durch.

9. Nein, wir wissen den Ausstrahlungstermin nicht
Wann eine Sendung ausgestrahlt wird, wissen wir beim Drehen dieser Sendung meistens (noch) nicht. Es ist nämlich nicht so, dass das frisch gedrehte Material direkt in den Schnitt geht und am Folgetag im Fernsehen läuft. Auch hier vergeht viel Zeit. Bis es eine Folge wirklich ins Fernsehen schafft, muss sie viele Zwischenstopps passieren. Das kann schon mal dauern, also KEINE AHNUNG.

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Mittwoch, 27. Juli 2016

KÖLN EDITION | No.1 |

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Seit einigen Monaten wohne ich nun schon in Köln. Fast hätte ich geschrieben "es ist die Stadt, in der ich meine meiste Zeit verbringe", aber das wäre ziemlich falsch. Ich wohne hier zwar, bin aber nur selten hier und habe deshalb außer bekannten Wegen von A nach B bisher noch nicht viel gesehen. Drum war meine Vorfreude groß, als feststand, dass ich Besuch von zuhause bekommen sollte. Manche Dinge machen ich nämlich ungern alleine, weil sie mit Freunden einfach mehr Spaß machen. Ich hätte locker auch alleine durch die Stadt gehen können, alleine das Wetter genießen können und alleine mal neue Wege gehen können. Wollte ich aber nicht. Und musste ich auch nicht. In der KÖLN EDITION | No.1 | zeige ich euch, wie ich die Stadt auf unserem Spaziergang wahrgenommen habe. Ich bleibe dabei: die Stadt ist wunderschön und zeigt viele verschiedene Facetten. Richtung Dom sitzen BibisBeautyPalace und ihr Freund, unweit davon stromern kleine Fangirls herum, am Rheinufer entlang fliegen Seifenblasen, auf dem Rhein fahren die Schiffe, die Kranhäuser ragen wie riesige Raumschiffe darüber und über allem scheint die Julisonne. Hektik herrscht hier abseits der Shoppingmeile keine mehr. Ich mag das. Und ich bin froh, die freie Zeit zur Erkundung dieser Stadt genutzt zu haben.
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Donnerstag, 21. Juli 2016

It's falling in love with someone you haven't met.

Blogpost_bearbeitet-1Niemals auf der Stelle stehen zu wollen, war schon immer eins meiner - ja, wie soll ich sagen - Prinzipien. Nach meiner doch recht langen Fotopause melde ich mich nun also zurück mit Bildern einer für mich neuen Herausforderung. Eines meiner Brautpaare wünschte sich vor ein paar Wochen von mir Fotos ihres aktuellen Glücks. Als ich vergangene Woche Urlaub in der Heimat machte, ließ sich dieser Wunsch prima mit meinem Zeitplan verbinden. Was hatte ich die schwere Kamera in meinen Händen und die wunderbaren Menschen vor meiner Linse vermisst. Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal für das Vertrauen bedanken, das mir die beiden entgegengebracht haben. Dass man mich quasi aus Köln einfliegen lässt, bedeutet mir viel.
Es ist vor allem diese persönliche Note, die mir so viel zurückgibt bei dem, was ich in solchen Stunden tue. Besondere Momente oder Lebensphasen der Menschen so einzufangen, dass sie sich immer mit Freude daran zurückerinnern - dieses Gefühl hatte ich tatsächlich sehr vermisst. Nach diesem einen sonnigen Nachmittag weiß ich nun vor allem eins: ich kann und möchte Babybauchfotos schießen. Also irgendwann mal wieder. Im Sonnenschein, im Gras, ganz entspannt.

Garten2
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Mittwoch, 15. Juni 2016

Mitte der Woche. Weg mit dem Scheiss!

"Eigentlich wollte ich mich nach dem anstrengenden Wochenende hinlegen, aber dann hat es mich gepackt und ich habe einfach alle Fotos von der Wand gerissen." Ich sehe ihren entsetzten Blick auf dem Bildschirm meines Laptops. "Alle Fotos?! Wieso das denn?"- "Ich habe wohl mehr Struktur gebraucht. Die Fotos hingen minimal schief, es war zu viel und zu unruhig. Ich brauche eine klare Linie, wenn ich mal zuhause bin. Kein Schnickschnack. Nur das Essentielle."
In die Wohnung zurückzukommen bedeutet zunächst immer erst mal: Ruhe. Jogginghose anziehen. Koffer auspacken. Wäsche waschen. In den Kühlschrank blicken. Nichts finden, überlegen ob ich einkaufen gehen soll, Idee verwerfen, weil ich in einem Tag eh wieder weg bin. Und frische Sachen schimmeln so schnell. Die letzten Tomaten habe ich unangerührt wegschmeißen müssen, weil ich gar nicht da war, um sie essen zu können. Aber erzählt das bitte keinem. Lebensmittelverschwendung ist nämlich ziemlich bekackt.
Ich beschränke mich neuerdings auf das Wesentliche. Als ich das letzte Mal vom Wochenenddreh nach Hause kam, waren es also die Fotos, die dran glauben mussten. Ich liebe jedes einzelne dieser Bilder und verbinde mit jedem etwas Eigenes, doch in ihrer Gesamtheit haben sie mich regelrecht angeschrien - und meine Ruhe ist mir wichtig. Ergo: Fotos abgerissen, neu sortiert, zugeschnitten, gerahmt, Nägel in die Wand gehauen, aufgehängt, zack feddich.

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Die innerliche Ruhe, die nach dieser Aktion bei mir eingekehrt ist, versteht vermutlich nicht jeder. Aber das ist bei mir wie mit dem gemachten Bett. Ein frisch gemachtes Bett strahlt so unglaublich viel Ruhe in einem Raum aus ... ach egal. Ich klinge wie eine alte verrückte Katzenfrau, nur dass meine gar Katze nicht hier ist. Wie sagt man auch? Schrullig! 
Auf jeden Fall habe ich gemerkt, dass ich nicht mehr so viel haben will, nicht mehr so viel brauche. Was ich damit sagen will: ich bin genügsamer geworden. Ich konzentriere mich auf die wichtigsten Dinge. Freunde, Familie, Struktur und Ruhe. Und bei der nächsten Gelegenheit muss ich mich auch unbedingt wieder einem widmen: der Fotografie. Ich hätte nicht gedacht, dass sie mir so fehlen wird, wie sie es im Moment tut. Auch das Bloggen fehlt mir, denn beides geht hier Hand in Hand. Bitte verzeiht mir, wenn ihr meine Mittwochsposts zur Zeit belanglos findet, aber mehr habe ich nicht zu teilen. Ohne Fotos fällt mir alles etwas schwerer.

Mittwoch, 25. Mai 2016

Mitte der Woche. Jetzt aber Tacheles!

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Foto: Marco G.
Huch, haben wir schon wieder Mittwoch? Die Wochentage sind mir im Moment tatsächlich ein Rätsel. Für mich ist heute Montag und gestern war doch Sonntag, oder? So einfach ist das für mein Gehirn noch nicht, wenn ich am Wochenende arbeite und unter der Woche mehrere Tage auf der faulen Haut liege.
"Erzähl doch mal von deinem Praktikum", schreibt man mir immer wieder. Aber das kann ich nicht. Es ist nämlich kein Praktikum, sondern ein Job. Ein echter. Mit Verantwortung, Bezahlung, Spaß und Urlaubsanspruch. Das, was man nach einem Studium eben so anstrebt, aber gar nicht so einfach zu kriegen ist. Falls ihr nun wissen wollt, was ich in meinem Job so treibe - das würde ich euch erzählen. Also, Bock? Dann: